ADAPT ABLE SPACE

SOZIABILITÄRE ARCHITEKTUR

 

Entwerfen Master . Soziales Bauen

MOTIVATION . Die aktuelle gesellschaftliche Herausforderung, neue Formen des sozialen Zusammenlebens mit den Betroffenen bedarfsorientiert und niederschwellig zu entwickeln, war der Antrieb der Initiative „Why not!“, die im Frühjahr 2018 aus Gruppen unterschiedlicher Disziplinen zusammengewachsen ist. Wohnen ist mehr als eine Unterbringungsfrage - das erweiterte Wohnen als integrations- und inklussions-Chance.

 

IDEE . Ausgehend von einer sich in einem Leerstandsensemble, ehemals Laufhaus „Why not!“, befindenden Asylwerberunterkunft, entstand das Konzept eines sozialkreativen Wachküssens des Leerstandes, um eine scheinbar wertlose Immobilie in eine Immovielie zu verwandeln. Unter dem Aspekt, dass in unmittelbarer Nachbarschaft in den nächsten Jahren hunderte neue Wohnungen in Wohn-Monokultur errichtet werden, scheint es notwendig, einem gallischen Dorfe gleich, dem Investorendruck und der damit einher gehenden Gentrifizierung mit einem allen Menschen offen stehenden Stadtteilzentrum zu begegnen. Begegnung, Austausch, gemeinsam Arbeiten, Weiterbilden und Feiern soll der Attraktor und Generator dieses schlummernden Stadtteiles werden. Im besten Fall wird dadurch ein Stück sozialer Raum der Öffentlichkeit geschenkt.

 

PROZESS . Das interdisziplinäre Kollektiv „Why not!“ fand sukzessive zusammen. Die Besitzer der Liegenschaft haben eines der leerstehenden Gebäude des Ensembles im Zuge der Flüchtlingsbewegung 2015 an einen engagierten privaten Betreiber als Asylunterkunft vermietet. Dieser verfolgte ab 2018 die Idee, den Ort unter den Aspekten Inklusion und Nachhaltigkeit weiterzuentwickeln und fand Unterstützung von Vereinen wie „Der.Raum – Brückenbauer zwischen den Kulturen“ oder „VOBIS – offene Begegnung und Integration durch Sprache“ und anderen Freiwilligen, die sich schon länger in den Bereichen Kunst, Kultur, Architektur, Handwerk, Bildung, Sprache und gutes Zusammenleben engagieren. Fachliche Unterstützung holte sich das Kollektiv von akademischer Seite, indem die lokalen Standorte der Fachhochschule Kärnten mit den Bereichen Architektur, Wirtschaft & Management sowie Soziale Arbeit als Partner dazu geholt wurden. Dadurch wurde aus der Idee des gemeinsamen Neudenkens des leerstehenden Ensembles ein dynamisches Reallabor.

Gemeinsam mit Studierenden und den AkteurInnen wurden vielfältige Projektideen zur Nach- bzw. Neunutzung entwickelt und als Besonderheit in der Folge auch in einem „design-build“ Prozess 1:1 umgesetzt. Prozessbegleitend wurde der Leerstand durch Feste und performative Veranstaltungen bereits während der Planung der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Führungen, Diskussionen und Ideenweiterentwicklungen mit den Anrainern und anderen Interessierten wurden dadurch niederschwellig möglich.

Im Fokus steht das 5-Phasen-Konzept zur Revitalisierung der nicht genutzten Räume, das von den Architekturstudierenden entworfen wurde. Im WS 18/19 wurde zunächst eine Kegelbahn zum Begegnungsort für die weitere Nutzung als Werkstätten handwerklicher Produkte adaptiert. Es entstand Kreativraum, wo mithilfe der angesiedelten Asylwerbenden u.a. Upcycling von Möbeln, Rädern oder Altkleidung und die Transformierung von traditionellen Kulturtechniken wie Nähen, Häkeln, Stricken oder Weben stattfindet. Insgesamt sollen durch kollaboratives Tun „High End-Produkte mit Low Budget“ entstehen.

 

 

ERKENNTNISSE . Klassische Organisationsformen sind hier nur bedingt greifbar, ein Querdenken und Ausprobieren von neuen Formen des engagierten Tuns waren und sind wesentlicher Bestandteil des Prozesses, um ein prototypisches Beispiel für partizipative Gestaltung zu sein.

Scheinbar Wertloses wird in etwas gesellschaftlich Wertvolles verwandelt: Es ist uns als Initiative ein Anliegen zu zeigen, dass es sich in der Gesellschaft lohnt, den Blick auf Randobjekte (Leerstand teils historischer Substanz) und Randgruppen (sozial, sprachlich, ökonomisch, demografisch) zu richten und zu schärfen. Hier liegen Schätze begraben, die allzu oft übersehen werden. Nicht nur Leerstände können Geschenke für einen Stadtraum sein, die wieder zum Blühen gebracht werden, sondern Menschen aus vielen Nationen, deren Potenzial dabei entfaltet wird.

Wir wollen aufzeigen, dass für solche Aufgaben keine Schubladen funktionieren, keine vorgefertigten Rezepte angewendet werden können, sondern dass Integration und Inklusion sowie kreatives Aufbrechen von festgefahrenen Strukturen nur durch innovative Methoden und viel Offenheit von allen Seiten stattfinden kann. Im besten Fall kann unsere Initiative „why not!“ eine proaktive Alternative im Umgang mit zukünftigen Herausforderungen sein und ein Best Practice Projekt zum Angreifen werden.

Lehrende

Alexander Hagner . Stefan Breuer . Gordana Brandner-Gruber

 

Studierende

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